Zottelige Landschaftspfleger

Wetterfest und genügsam muss sein, wer einen Job als vierbeiniger Landschaftspfleger auf den Naturschutzflächen ergattern will.

Längst nicht jede Rinderrasse hält das ganzjährige Leben draußen ohne Stall und Zufütterung aus. So ist beispielsweise die typische Holsteiner Kuh, die Schwarzbunte, vom Menschen gezüchtet worden, um möglichst viel Milch zu geben.

Ähnlich wie Leistungssportler benötigt sie für diese Höchstleistung sehr energiereiches Futter.

Ihr glattes, kurzhaariges Fell bietet im Winter nicht genug Schutz vor Regen, Kälte und Schnee. Daher hat man für die Pflege der Landschaft nach robusten, ursprünglichen Rassen gesucht.

Denn die Tiere sollen ganzjährig, möglichst ohne zusätzliches Futter, draußen weiden, dort ihre Kälber allein zur Welt bringen, nicht krank werden und langsam an Gewicht zunehmen.

Die bekanntesten Vertreter der Robustrinder, wie Galloways und Highland-Cattle, stammen aus Großbritannien und sind seit Urzeiten an das raue Inselklima und karge Futterangebot angepasst. Sie wurden züchterisch kaum verändert. Daher sind sie für Schleswig-Holsteins Naturschutzflächen, wie zum Beispiel für die Wilden Weiden der Stiftung Naturschutz, bestens geeignet und leben hier zudem ein artgerechtes Leben.

Robustrinder fressen auch das noch, was unsere hochgezüchteten Milchkühe verschmähen und schaffen auf diese Weise eine landschaftliche Vielfalt, in der Wälder, Moore, offenes Grünland und Gebüsche fließend ineinander übergehen.

Der schöne Nebeneffekt dieser Haltung ist zweifellos ein hochwertiges, gesundes und äußerst schmackhaftes Rindfleisch.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen Rinderrassen, die häufig auf Naturschutzflächen als "Öko-Rasenmäher" eingesetzt werden: 

Highland-Rind

Im Jahr 1975 kamen die ersten Schottischen Hochlandrinder nach Deutschland.

Seit über 200 Jahren wird die Rasse,  die auch Prinz Charles züchtet, dort gehalten. Robust und attraktiv – zwei Eigenschaften, die sie so beliebt in der Landschaftspflege machen. Das lange, dichte Zottel-Fell lässt sie auch bei extremen Minusgraden nicht frieren. Auch wenn die breit ausladenden Hörner imposant aussehen, gelten diese Rinder als besonders friedfertig. In den Stiftungsländern Geltinger Birk, Hessenstein und Winderatter See gehen Wanderwege direkt durch ihre Weidegründe. Trotz ihrer Sanftmut sollte man den Tieren mit Respekt begegnen, sie nicht füttern und Abstand halten.

Das Fleisch der Hochlandrinder gilt als ausgesprochen schmackhaft, ist fett- und cholesterinarm und hat einen hohen Anteil wertvoller Proteine.

Galloway-Rind

Foto: Friedemann

Die gutmütigen, hornlosen Galloways kennen sich mit rauem, windigem und regnerischem Wetter aus, denn sie sind eine der ältesten Rinderrassen aus Großbritannien. Ihr doppelschichtiges Fell mit langem, gewelltem Deckhaar und feinem, dichtem Unterhaar schützt sie vor Wind und Kälte. Mit ihrer relativ dicken Haut und dem eher sparsamen Stoffwechsel kann man die Galloways zu Recht als robust bezeichnen. Sie sind zudem gute Rauhfutterverwerter, was auf den Naturschutzflächen von besonderem Vorteil ist.

Heute kann man Galloways, deren fein marmoriertes Fleisch schon die Römer lobten, fast überall in Schleswig-Holstein treffen, so auf den Weideflächen im Störland und im Schäferhaus oder in der Postseefeldmark.

 

 

Weißes Park-Rind

Das schneeweiße, gehörnte White Park Cattle mit den schwarzen Augen, Ohren und Flotzmaul stammt ebenfalls aus England. Es heißt auch Englisches Parkrind. Der namensgebende Ursprung der Rasse liegt im Park von Chillingham in Northumberland, welcher mit samt Rindern eingezäunt wurde. Die Rinder in diesem Areal konnten sich nur untereinander vermehren, was zur Inzucht führte. Charles Darwin nutzte diese Situation ab 1862 um mittels einer Langzeitstudie an dieser Herde neue Erkenntnisse für seine Evolutionstheorie zu gewinnen.

Weltweit gibt es nur wenige hundert Mutterkühe, mehrere Bullen und deren Nachzucht. In  Großbritannien, Nordamerika, Dänemark, Deutschland und Australien gibt es Zuchtbestände. Die bekannteste White-Park-Zuchtherde in Deutschland lebt in Schleswig-Holstein, im Tierpark Arche Warder.

Das englische Parkrind gilt als robust und genügsam. Neben seinem ruhigen Charakter ist es auch für sein ausgeprägtes Sozialverhalten bekannt.

Heckrind

Im Jahr 1627 erschossen Wilderer in Polen die letzte Auerochsenkuh. Damit war das europäische Wildrind ausgerottet.

Die heutigen „Auerochsen“ (Heckrinder) sind also keine alte Robustrasse, sondern eine „Neuerfindung“ der Zoodirektoren und Brüder Heck. In den 1920er-Jahren gelang es ihnen, das urzeitliche Rind „neu zu erfinden“. Alte Stiche und Gemälde lieferten ihnen die Vorlage für eine Nachzucht aus verschiedenen Rinderrassen.
Die Kälber der Heckrinder werden braun geboren und färben sich in den ersten Monaten ihres Lebens zur typischen annähernd wildfarbenden Fellfärbung um. Erwachsene Tiere sind meist schwarz oder dunkelbraun und beide Geschlechter besitzen recht imposante Hörner. Einige Tiere haben einen Aalstrich auf dem Rücken und nicht selten auch einen heller gefärbten Sattel, welcher beim ursprünglichen Auerochsen wahrscheinlich so nicht vorkam.

Auch wenn die heutigen „Auerochsen“ in Größe und Widerstandsfähigkeit ihre Urahnen (noch) nicht erreichen, ein imposanter Anblick sind sie allemal. Im Eidertal, an der Olendieksau und beim Verein ERNA im Aukrug kann man ihnen begegnen.

Angus-Rind

Auch das schwarze oder rote Angus-Rind stammt aus England und wird dort seit Ende des 19. Jahrhunderts gezüchtet. Angus-Rinder werden hauptsächlich als  Fleischlieferanten aber auch zur Landschaftspflege gehalten. Das Angus-Rind besitzt von Natur aus keine Hörner. Als sogenanntes „Fleischrind" wurde es dahingehend gezüchtet möglichst schnell zunehmen.Seit den 50er Jahren gibt es auch eine deutsche Variante des trotz seiner geringen Größe schweren Rindes. Das Angus-Rind gilt als gutmütiges, anpassungsfähiges Rind mit guten Muttereigenschaften. Aufgrund seines Gewichtes ist es als Landschaftspfleger auf Naturschutzflächen oder anderen extensiv bewirtschafteten Flächen, eher für trockene Standorte mit festen Bodenverhältnissen geeignet.

 

 

Aubrac-Rind

Im Südosten Frankreichs, der Landschaft Aubrac, entstand die Rasse vor rund 150 Jahren. Züchtungsziel war ein genügsames Rind, das sowohl Fleisch als auch Milch  lieferte und sich vor den Karren spannen ließ. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die bis dahin weit verbreitet Rasse nach und nach von Traktoren verdrängt. Vor rund 30 Jahren wurde das Aubrac-Rind kurz vor seinem Aussterben wiederentdeckt.

Um die Rasse des Aubrac-Rindes  möglichst robust zu entwickeln, erfolgt die züchterische Selektion schon seit vielen Jahren unter extensiven Haltungsbedingungen. Das fahlgelbe Fell, das weiß umrandete schwarze Flotzmaul und die geschwungenen Hörner geben der anspruchslosen „Schönen mit den schwarzen Augen“ ihre besondere Note. Aubrac-Kühe sind übrigens verantwortungsbewusste Mütter, die ihren Nachwuchs durchaus mit Nachdruck zu beschützen wissen.