Knicks - Schleswig-Holsteins wilde Hecken

In der Oktobersonne glänzen dicke, schwarzblaue Schlehen, neben den Dolden der Fliederbeeren und den leuchtend roten Früchten von Hagebutte und Weißdorn. Vögel bedienen sich eifrig an dem vitaminreichen, saftigen Futter und auch Menschen ernten die leckeren Früchte. Tatort des Treibens: ein Knick in Schleswig-Holstein.

 

Das Land zwischen den Meeren ist berühmt für seine mit Sträuchern und Bäumen bestandenen Erdwälle – die sogenannten „Knicks“.

 

Woher der Name „Knick“ kommt

Ein Schleswig-Holsteiner weiß natürlich was ein „Knick“ ist, aber woher kommt eigentlich der Name? Im 18. Jahrhundert vollzog sich der Wandel von der Allmende (gemeinschaftliches Eigentum) zum Privateigentum und es gab zudem zwei Herausforderungen,: relativ wenig Holz und gefräßiges Vieh, das möglichst auf dem eigenen Feld bleiben sollte. Und es sollte auch jeder wissen, wo das eigene Land anfing und endete. Die Idee der Landwirte:  Zäune errichten, die von alleine wuchsen.

So wurden Erdwälle gebaut und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.  Diese wuchsen allerdings naturgemäß mit ihren Stämmen gen Himmel und die Tiere hätten bequem hindurch marschieren können – damit das nicht passierte, knickte man die jungen Zweige und Äste der Bäume und Sträucher immer wieder um, bis ein dichtes, undurchdringliches Gestrüpp entstand. Nur Pflanzen auf dem Wall, die regelmäßig geknickt wurden, sorgten zuverlässig dafür, dass das Vieh nicht auf Wanderschaft ging. Angenehmer Nebeneffekt war – und ist  dass bei der Knickpflege wertvolles Brennholz „anfällt“.

Im eher waldarmen Schleswig-Holstein also ein wahres Geschenk! Dennoch haben die Bauern, die damals noch per Hand die widerspenstigen Zweige knicken mussten, die Dornen von Schlehe, Weißdorn und Co. sicher so manches Mal verflucht.

 

Knickpflege heute

Heute erleichtern Maschinen die Knickpflege. In den Herbstmonaten, vor allem im Oktober und November, ist es wieder soweit  – man sieht mancherorts geschäftige Menschen, die mit teilweise schwerem Gerät den Knick „auf den Stock“ setzen. Dieses tief angesetzte Absägen oder Knicken der Zweige geschieht alle zehn bis fünfzehn Jahre. 

 

 

Zum Schutz der Brutvögel dürfen diese Maßnahmen nach der landesrechtlichen Frist nur vom 1. Oktober bis 14. März erfolgen. Wenn die Äste fallen, bietet sich für manche zunächst ein etwas ungewöhnlicher Anblick – aber keine Sorge, der Knick lebt von dieser Maßnahme, denn schon im nächsten Frühjahr schlagen die Bäume und Sträucher, noch zahlreicher verzweigt als vorher, neu aus.

Wenn ein Knick nicht regelmäßig auf den Stock gesetzt wird, bilden die dicht stehenden Bäume und Sträucher eine Krone aus und nehmen den Pflanzen unter ihnen das Licht, was den Pflanzenbestand ausdünnt. Anders ist es, wenn die älteren, größeren Bäume, die sogenannten „Überhälter“, in einem Abstand von 30 bis 50 m stehen gelassen werden. Diese  Überhälter, oft Eichen oder Buchen, werten den Knick ökologisch auf und sollten unbedingt die Knickpflege überdauern. Die Baumkrone kann sich im richtigen Abstand voll entfalten und lässt noch genügend Licht und Luft für die Pflanzen, die unter ihr wachsen.

 

Wichtig für die Vielfalt

Im waldarmen Schleswig-Holstein nimmt der Knick eine besonders wichtige, ökologische Rolle ein. Er dient als Nahrungsquelle und Lebensraum für pollensammelnde Insekten, einheimische Brutvögel,  Säugetiere wie beispielsweise die seltene/geschützte Haselmaus und Überwinterungsquartier für Amphibien und Reptilien.

Für einen gesunden Knick sollte der Pflegeschnitt möglichst schonend, also mit glatten Schnitten, durchgeführt werden, damit sich keine Fäulnispilze einrichten können. Das Absammeln von Schnittholz auf dem Wall lässt die Pflanzen darunter aufatmen.

So können sich im nächsten Frühjahr zahlreiche neue Äste bilden, die bald wieder Blätter, Blüten  und Früchte tragen und  Tiere und Wanderer erfreuen.

 

Wenn auch Sie einmal die Früchte aus dem Knicks probieren möchten und eine Rezeptidee suchen: schauen Sie doch mal hier.


Die saftigen Holunderbeeren sind wahre Vitamin-
bomben. Aus ihnen lässt sich eine leckere Suppe
zubereiten.

Die tiefblauen Früchte der Schlehen schmecken
ziemlich sauer. Sie werden meist erst nach dem
Frost geerntet und können zu Marmelade und
Schlehenwein verarbeitet werden.

Eher mehlig und geeignet für Kompott und Gelee
sind die leuchtend roten Früchte des Weißdorns.