Knicks - Schleswig-Holsteins wilde Hecken

Schleswig-Holsteins "Knicks" sind etwas Besonderes und haben Geschichte. Die auf Erdwällen angelegten Hecken aus einheimischen Gehölzen hatten früher die Funktion, als Zaun das Vieh auf dem eigenen Feld zu halten. Gleichzeitig lieferten sie ständig nachwachsendes Brennholz für die Öfen. Bis in die 1920er Jahre „knickte“ man die seitlichen Triebe der Gehölze noch mühevoll per Hand ab, woraus sich eine dichte, undurchdringliche Struktur ergab, wenn die Triebe in entsprechender Richtung im nächsten Jahr neu austrieben.


Warum Knickpflege?

Noch heute grenzen die Knicks Felder voneinander ab, schützen den Boden der Äcker vor Wind und erfüllen in unserem eher waldarmen Land zwischen den Meeren eine wichtige ökologische Funktion. Damit dies so ist und bleibt, müssen Knicks möglichst dicht bewachsen sein. Dies wird durch regelmäßige Pflegeschnitte erreicht.

Wenn ein Knick nicht regelmäßig auf den Stock gesetzt wird, bilden die dicht stehenden Bäume und Sträucher eine Krone aus

und nehmen den Pflanzen unter ihnen das Licht, was den Pflanzenbestand ausdünnt.

Anders ist es, wenn die älteren, größeren Bäume auf dem Knickwall, die sogenannten „Überhälter“, in einem Abstand von ca. 30-50 Metern voneinander stehen gelassen werden. Diese Überhälter werten den Knick ökologisch auf und sollten unbedingt die Knickpflege überdauern. Die Baumkrone kann sich im richtigen Abstand voll entfalten und lässt noch genügend Licht und Luft für die Pflanzen, die unter ihr wachsen.

Weitere Informationen über Schleswig-Holsteins wilde Hecken finden Sie auch in der frisch erschienenen Knickbroschüre (pdf 3 MB).

Die Broschüre können Sie kostenfrei beim Herausgeber, dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, bestellen: Broschürenstelle, Postfach 7151, 24171 Kiel, Telefon (0431) 988-7146

Ein dichter Knick im Sommer - Lebensraum für
zahlreiche Tiere und Pflanzen.
Die Broschüre des Umweltministeriums fasst alles
Wissenswerte über Knicks in Schleswig-Holstein
zusammen.

Blühendes Leben im Knick

Die buschige Struktur der Knicks aus einheimischen Gehölzen bieten zahlreichen Wildtieren Unterschlupf, Nahrung und Lebensraum. Vögel wie Rotkehlchen, Neuntöter oder Goldammer brüten gerne in dem dichten Gehölz. 

Insbesondere einheimische Baum- und Straucharten bieten zudem eine reichlich gedeckte Tafel an Blüten, Beeren, Knospen und Nüssen – nicht nur für Vögel. Typische Knickpflanzen sind unter anderem Haselnuss, Schlehe, Holunder, Pfaffenhütchen, Hagebutte und Brombeere.

Als Überhälter, die den Knick überragen, werden häufig Eichen und Buchen gepflanzt.

Die verschiedensten Insekten leben im Knick und im Winter suchen ihn auch Amphibien und Reptilien auf um dort ihr Überwinterungsquartier zu beziehen.

Auch Säugetiere, wie beispielsweise die seltene Haselmaus, haben den Knick zu ihrem Lebensraum erklärt.

Wenn Sie mehr über die posierliche Haselmaus erfahren möchten lesen Sie auch den Steckbrief zur Haselmaus.

 

 

Der Knick ist auch Lebensraum der seltenen
Haselmaus.

Knickschutz

Das Landesnaturschutzgesetz beinhaltet Regelungen für die Pflege und den Schutz der Knicks. Hier sind einige der wichtigsten aktuellen Regelungen aufgeführt:

  • Knicks dürfen aus Rücksicht auf die Brutvögel nur in der Zeit zwischen dem 30. September und dem 1. März auf den Stock gesetzt werden

  • Erst nach zehn Jahren (optimal 10 – 15 Jahre) dürfen Knicks erneut auf den Stock gesetzt werden

  • Überhälter dürfen nur dann gefällt werden, wenn auf dem Knick andere Überhälter stehen, die nicht weiter als 60 Meter entfernt sind

  • Ein vom Knickfuß ausgehender 50 Zentimeter breiter Schutzstreifen darf nicht gedüngt oder gepflügt werden

Für das erste Quartal 2016 sind Gesetzesänderungen in Hinsicht auf den Schutzstreifen und den Rückschnitt des Knicks geplant.

So darf Grünland künftig bis zum Knickfuß genutzt werden, während der Schutzstreifen auf dem Ackerland weiterhin Bestand hat.

Alle drei Jahre wird es außerdem erlaubt sein, den Knick seitlich bis zu einem Meter vom Knickfuß entfernt bis zu einer Höhe von vier Metern zurück zuschneiden.


Die Abbildungen unten zeigen, wie der Pflegeschnitt für Knicks im Laufe der Jahre immer weiter optimiert wurde, um einen für die natürliche Vielfalt wertvollen Knick zu erhalten, der praktikabel gepflegt werden kann.

Pflegeschnitt für einen Knick.
Gesetzliche Regelung vor 2013
"Heckenschnitt"
Gesetzliche Regelung ab 2013
Knickschnitt im Winkel von 70 ° ab 0,5 m vom
Knickfuß bis zu einer Höhe von 4 m (links) oder
vertikaler Knickschnitt ab 1m vom Knickfuß
bis zu einer Höhe von 4m (rechts).
50 cm Saumstreifen als Bestandteil des
Knicks unabhängig von der angrenzenden
Nutzung.
Gesetzliche Regelung ab 2016
Knickschnitt ab 1m vom Knickfuß bis zu einer
Höhe von 4m; 50 cm Schutzstreifen bei
angrenzender Ackernutzung